Roof
RW.15
Unperfekthaus Essen

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RW.15 was part of the exhibition project “Hacking the City” which took place at the Museum Folkwang Essen and all over the City of Essen. “Hacking the City” is a project reacting to changing structures in the public, mobility and communication in the city. The “Unperfekthaus” in Essen has been marked within the exhibition project Hacking the City. The message “!=CTRL” refers to open source computer languages like Linux. “!=” is used as a negation or not-operation. Thus “!=CTRL” means not controlled or uncontrolled.

Installed | Location | GPS: 16-09-2010 | Unperfekthaus Essen, a collaboration with Hacking the City, Museum Folkwang Essen, Germany | 51.459016,7.007495
Author | Words | Curator: REMOTEWORDS | !=CTRL | Dr. Sabine Maria Schmidt
Roof Size | Font Size: 165qm | 3,5m x 14m
On Air:

 

 

 


Interview

!=CTRL  |  Reinhard Wiesemann, Essen 2010

 

REMOTEWORDS: !=CTRL haben wir als semantisches Adequat zum UPH gewählt, da es ohne grosse Kontrollmechanismen und elitäre Aussiebung funktioniert. So werden beispielsweise die Künstler, die hier Arbeitsplätze und materielle Unterstützung umsonst bekommen, nicht kuratorisch ausgewählt, die Bezahlung der Getränke basiert auf Vertrauensbasis und die elektronischen Arbeitsplätze sind für jedermann kostenlos zugänglich. Das Unperfekthaus ist eine „real gelebte Utopie“, sozusagen die „open source im sozialen Stadtraum“, ein Ort wo Kontrolle kleingeschrieben wird. Ist open source nicht nur bei Computerprogrammen, sondern auch im sozialen Miteinander die bessere Wahl?

Reinhard Wiesemann: Ich glaube nicht daran, daß ein einziges Modell alles abbildet, was wir im Leben wollen. Als ich das Linuxhotel in Essen gegründet hatte, als bei uns kurz danach auch die „Free Software Foundation Europe“ gegründet wurde, habe ich allen gesagt, daß ich vor allem gegen Monopole und Ein-System-Denken bin. Meine Aussage damals war „wenn es NUR Freie Software gäbe, dann hätte ich ein Microsoft-Hotel gegründet“.

Das UpH IST ein Stück weit „OpenSource im sozialen Stadtraum“. Ich glaube, daß wir in einer Zeit leben, in der der Gedanke der Kontrolle, der Planbarkeit, zu sehr um sich greift. Deshalb habe ich mit dem Unperfekthaus einen Freiraum geschaffen, der den Gegenpol setzt, weil ich denke, daß das im Moment dringend notwendig ist.

Aber ich habe nichts(!!) gegen Kontrolle. Ich bin wirklich von Vielfalt überzeugt. Wenn der Kontrollgedanke zu stark wird, dann mache ich ein Unperfekthaus. Wenn der Gedanke des „alles frei laufen lassen“ zu stark wird, dann mache ich vielleicht ein Kontrollhaus… ;-) Wir brauchen GLEICHZEITIG ganz viele Ansätze und müssen diese PARALLEL laufen lassen.

REMOTEWORDS: Du hast selbst 15 Jahre Linux bzw. den Vorgänger Unix programmiert. Warum brauchen wir offene Betriebssysteme, schränken Microsoft und Apple unsere Kreativität ein?

Reinhard Wiesemann: Die Kreativität weniger, aber die Art wie wir auf den Vorarbeiten anderer aufsetzen können. Freie Software optimiert das Zusammenarbeiten, während bei proprietärer Software das konkurrierende Arbeiten im Vordergrund steht. Beides sind Ansätze, die ihre Vor- und Nachteile haben. Wir brauchen beides. Zur Zeit ist der proprietäre Bereich zu stark, also muß man den freien Bereich stärken.

 

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