Fuhrwerkswaage, Koeln

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„Fuhrwerkswaage“ is a non-profit art-space, established in 1978. Young and unknown positions as well as highly reputed artists are shown. The concept focuses on installation art.

www.fuhrwerkswaage.de

RW.1 IN ART WE TRUST
Installed: 24-04-2008
Location | GPS:  Fuhrwerkswaage Kunstraum e. V., Koeln, Germany | 50°51’50.6″N 7°00’15.3″E
Author: Jochen Heufelder
Roof Size | Font Size: 144,5qm | 1,9m x 14m
On Air: Google Earth 1-2014, AeroWest 7-2010


IN ART WE TRUST

Interview: Jochen Heufelder, Koeln 2008

 

REMOTEWORDS: Gerade im katholischen Köln, dem der eigene Kulturdezernent neulich einen limitierten Horizont bescheinigte(1), könnte deine Botschaft als blasphemisch abgetan werden. Religiöse Provokation ist sicher nicht deine Absicht, oder?

Jochen Heufelder: Gewiß ist “In Art We Trust” weder religiöse Provokation, noch ein Bekenntnis zu diversen Webblogs im Internet. Auch fehlt jeder Zusammenhang mit gleichlautenden Plattentiteln, Rockbands, Filmen, etc.

“In Art We Trust” ist als Haltung zu verstehen, als ein Bekenntnis zur Kraft der Kunst, zu ihrer Notwendigkeit im täglichen Leben – dies jedoch nicht in Konkurrenz zu irgend einer Religion.

“In Art We Trust” ist nach 30 Jahren kuratorischer Arbeit am Ort der Dach-Aufschrift auch Ausdruck einer Gewissheit, mit und durch Kunst vieles bewegt zu haben – aber auch der Zuversicht, in Zukunft noch einiges bewirken zu können.

RW: Deine Botschaft ist von der Beschriftung des “One Dollar Bill” inspiriert. Im Überlebenskampf des “Non-profit-art-space” ist der Zusammenhang von Kunst und Geld sozusagen dein täglich Brot. Ist es frustrierend ohne Geld im globalisierten Markt der Kunstkonzerne, Mammut-Shows und Künstlerrankings mitzuhalten oder eher sogar befreiend?

J.H.: Gewiß, auf der US-amerikanischen Dollar-Note ist “in God we trust” zu finden. Gewiß auch, daß in meinem Unterbewußtsein dieses religiöse Bekenntnis der großen Nation präsent ist. Dennoch gibt es keinen unmittelbaren Zusammenhang. Bei der Überlegung zur Teilnahme an Deinem Projekt spielten zwei Überlegungen eine Rolle:
1. Formulierung eines Statements, welches eine durchgängige und übergeordnete Haltung meiner Arbeit – nicht zuletzt auch als Resümee nach 30 Jahren Arbeit – widerspiegelt, 2. Knappe prägnante Aussage, die sich in wenigen kurzen Worten auf dem Dach visualisieren läßt.

Der Zusammenhang zwischen einer Non-Profit-Arbeit als Kurator und der Erfordernis die notwendigen finanziellen Mittel hierfür aufzutreiben ist elementar. Der Zeitaufwand für das Akquirieren von Geldmitteln ist gewaltig, der emotionale Kraftaufwand erheblich. Und dennoch: wenn man weiß wofür lohnt es sich immer! Trotzdem will ich gestehen: Käme ein zuverlässiger und finanziell starker Partner, der der Fuhrwerkswaage beständig “unter die Arme greifen” würde, es wäre eine große Erleichterung für mich – und die Institution. Und wir könnten endlich unsere – inzwischen ja notwendige – Internetpräsenz ausbauen.

Es geht mir nicht um einen globalen Wettbewerb mit anderen Institutionen, sondern um eine solide Arbeit um der Kunst und der Künstler willen. Durch die langjährige und qualitativ hochwertige Arbeit hat sich die Fuhrwerkswaage ohnehin einen Platz erobert, der ihr in Insiderkreisen einen hervorragenden Platz gesichert hat. Als Gründer und Motor bin ich natürlich auf einen Erhalt dieser Wahrnehmung bedacht.

Sicher hat(te) die mangelnde finanzielle Ausstattung auch Vorteile: sie förderte den Blick für das Wesentliche. Dies möchte ich nicht missen. Und: es gelang eine größere Zahl von Förderern zu gewinnen, die sich mit der Arbeit der Fuhrwerkswaage identifizieren und sie mittragen. Ein wunderbares Resultat! Ohne diese treue Gruppe von Förderern ging es nicht, hätte die Institution nicht überlebt, wäre auch der Kampf um den Erhalt des Gebäudes aussichtslos gewesen. So arbeite ich mit dem Rückhalt eines Fördervereins, der einen wunderbaren Vorsitzenden hat und zahlreiche Mitglieder, die sich bemerkenswert und einfühlsam aktiv einbringen. Ein Erlebnis welches ich nicht missen möchte. Dennoch: käme heute… . Die Situation wäre eine andere als noch vor 30 Jahren. Wir haben inzwischen ein Erfolgsmodell, das auszubauen und zu festigen wichtig ist. …und für die Zukunft zu erhalten.

RW: Es gibt genug Stimmen, die der aktuellen Kunst nicht mehr viel zutrauen. Herrscht heute Misstrauen zwischen Kunstmachern, Kunstvermittlern und Kunstkonsumenten?

J.H.: Diese Stimmen gab und gibt es immer. Das gehört dazu. Inwiefern es ein Misstrauen zwischen den drei Gruppen gibt vermag ich nicht zu sagen, nach meiner Beobachtung aber kein generelles. Individuelle “Vorsichten” jedoch gehören zum Kunst-, wie zum “richtigen” Alltag. Aber auch “Bilderfluten”. Hier kippt vielleicht die individuelle Begeisterung in Verunsicherung aus der dann wiederum Misstrauen resultieren kann. Und schon entpuppt sich dan Ganze als Kreislauf.

(1) “Aber der Horizont ist in Köln wahrscheinlich ein Stück kleiner als in Berlin.” Stadtanzeiger Online, 07.11.07, “Wir sind keine doofe Stadt” von Christian Bos.